Görlitz 2023
Einer meiner vier Saison Höhepunkte für 2023, speziell weil ich mir letztes Jahr in der Woche davor Covid von meinem Sohn eingefangen hatte, endlich mal an einer DM teilzunehmen und zu beenden. Mein letzter Versuch lag mit 2015 schon etwas zurück, nachdem ich von meinem damaligen Wohnort London extra nach Hamburg flog, nur um dann nach Hälfte des Rennens zu stürzen.
Heute also war es soweit, 5 Runden auf der inzwischen klassischen 18km Roller Runde mit 5 Anstiegen, insgesamt 87km und 1050 Höhenmeter, für die 50-60 Jährigen.
Das Rennen startete zivilisierter, als die üblichen Kriterien Rundstreckenrennen, wo jeder als erster in die erste Kurve will, wohl auch weil es erst kurz vorm Start aufhörte zu regnen und sich niemand auf den ersten km gleich lang machen wollte.
Kurz vorm ersten Anstieg, etwa 1.6 km lang bei durchschnittlich 5% gings, dann bereits in die Vollen. Für mich allerdings gleich ne Schippe zu voll, zwar hatte ich mich gut 20min warm gefahren, aber die benötigten 800w um dranzubleiben kamen dann doch wie aus dem Stand, eine erste Asthma Attacke kündigte sich an und während ich etwas rausnahm und im hinteren Teil des Pelotons fast wörtlich ums überleben kämpfte, ging vorne bereits die Post ab.
Der weitere Verlauf des Rennens war dann „Start-Stop“, ständige Ausreißversuche von Fahrern, die den Anschluss zur Spitzengruppe herstellen wollten, aber wieder vom Feld gestellt wurden. An jedem Anstieg ging es voll aufs Gaspedal, hieß für mich dass mir wieder und wieder die Luft wegblieb.
So haben sich dann noch eine Handvoll Fahrer absetzen können und ich war langsam so genervt über den Verlauf des Rennens, dass ich gegen Ende der vorletzten Runde selbst angriff, allerdings auch bald darauf wieder gestellt wurde. Ein zweiter Angriff am ersten Anstieg der letzten Runde war dann schon vielversprechender und zusammen mit einem weiteren Fahrer kamen wir auf gut 200m Vorsprung, wurden dann aber auf dem folgenden Flachstück mit Gegenwind wieder eingeholt. Nun kam der zweite Anstieg der letzten Runde und ich fuhr meine Führung im Wind so wie das manchmal beim Team Training passiert, ein paar Watt höher als gewollt und als ich meinen Ellenbogen flickte, kam niemand durch. Da hatte sich unerwartet eine Lücke hinter mir aufgetan und mit nochmal 100w mehr auf dem Pedal wurde die Lücke schnell grösser. Mein Hoffen nach einer Verstärkung wurde schon bald erfüllt, allerdings zog diese zunächst zu schnell an mir vorbei und ich musste denn nochmal ein paar km wieder an ihn heranfahren, aber dann waren wir uns schnell einig und arbeiteten gut zusammen. 4km vor dem Ziel bekamen wir dann noch zwei weitere Mitstreiter, aber sobald sie an uns dran waren nahmen sie die Beine hoch. Meine Beine waren voll am explodieren als wir dann den vorletzten Anstieg hinauf mussten, aber mir war es lieber vierter dieser Gruppe, als vom Feld wieder geschnappt zu werden. So war es dann auch, auf der 800m langen ansteigenden Zielgeraden bin ich von vorn gefahren und hatte absolut nichts mehr für einen Sprint übrig und musste am Ende mit Platz 18 zufrieden sein, der für mich persönlich aber weitaus mehr bedeutet.
Alles in allem natürlich völlig bekloppte 36 Stunden Hauruckaktion, 1200km mit dem Auto nach Görlitz und zurück und ich werde es sicher nicht nochmal machen (zumindest nicht in diesem Jahr😉), aber wenigstens habe ich mir den lang gehegten Traum einer DM mit einem Top20 Ergebnis erfüllen können.